Gerade bei jungen Autofahreren steht die Tieferlegung des Fahrzeugs ganz oben auf der Liste der Tuningmaßnahmen. Oft steht im Vordergrund das Fahrzeug möglichst tief und hart zu bekommen, um eine bessere Optik und Straßenlage zu erreichen, doch in den meisten Fällen wird das Gegenteil erreicht, die Fahrzeugtieferlegung sieht optisch gut aus, aber das Fahrverhalten wurde unwissend drastisch verschlechtert.
Der einfachste und meist gewählte Weg ist der Einbau von Tieferlegungsfedern in Verbindung mit den Seriendämpfern. Am häufigsten verbreitet sind Federn, welche das Auto an der Vorder- und Hinterachse um 60mm tieferlegen. Auch sehr beliebt ist eine Tieferlegung vorne um 60mm und hinten um 40mm.
Diese Low Budget Methode ist meiner Meinung nach von allen die schlechteste, denn dadurch sind die Seriendämpfer höheren Belastungen ausgesetzt, für diese sie nicht entwickelt wurden. Es kommt noch dazu, dass bei den meisten Fahrzeugen die Serienstoßdämpfer schon mehrere Jahre hinter sich haben und die Vorspannung der Feder im Dämpfer nach kurzer Zeit nicht mehr gegeben ist. Das ist dann nur eine Frage der Zeit bis die Stoßdämpfer ihren Dienst komplett quittieren.
Das Fahrverhalten wird sich in den meisten Fällen dadurch deutlich verschlechtern, da die Serienstoßdämpfer frühzeitig erlahmen und zu lang zum Ausfeder brauchen, was dazu führen kann, dass ein Rad den Bodenkontakt verliert und das Fahrzeug zu Rutschen beginnt. Dieser Effekt tritt gerade bei schnellen Kurvenfahrten, auf einem welligen oder unebenen Straßenbelag ein. Eine vernünftige Tieferlegung mit Seriendämpfern sollte meines Erachtens 20-30mm an Vorder- und Hinterachse nicht unterschreiten. Desweiteren sollten die Stoßdämpfer noch nicht so alt bzw. verschlissen sein. Die bessere und vernünftigere Wahl wäre ein komplettes Tieferlegungsfahrwerk zu verbauen. Die meisten Hersteller habe solche Komplettfahrwerke im Angebot, bei denen die Stoßdämpfer auf die Tiefelegungsfeder abgestimmt sind. Ab einer Tieferlegung von 60mm werden bei einem guten Fahrwerk vom Hersteller auch gekürzte Dämpfer mitgeliefert, um die Vorspannung der Feder im Dämpfer auf Dauer zu gewährleisten. Bei manchen Stoßdämpfern, je nach Hersteller oder Fahrwerkstyp, kann man auch die Charakteristik anhand der Zugstufe einstellen. Dadurch wird je nach Einstellung das Ausfedern des Dämpfers mehr oder weniger gedämpft, was zur Abstimmung des Fahrverhaltens recht sinvoll sein kann. Diese Fahrwerke gibt es in verschieden Preisklassen, ab 600 Euro aufwärts, was meiner Meinung von der Qualität abhängig ist.
Die beste und wahrscheinlich auch teuerste Variante ist der Einbau eines Gewindefahrwerkes, bei solchen Fahrwerken kann man die Fahrzeughöhe am Dämpfer einstellen, desweiteren lassen sich meist bei solchen Fahrwerken die Zugstufe und bei besonderen Fahrwerken auch die Druckstufe einstellen. Preislich gehen diese Fahrwerke ab 800 Euro los.
Was immer zu beachten ist, ist, dass andere Komponenten wie Domlager, Stabilsator- oder Achsaufhängungslager, sowie die Anschlagpuffer der Dämpfer noch in einem tadellosen Zustand sind, sonst bringt selbst das beste Komplettfahrwerk oder Gewindefahrwerk nichts!
Wichtig ist auch nach einer solchen Umbaumaßnahme die Spur und den Sturz von einer Fachwerkstatt einstellen zu lassen, desweiteren die verbauten Komponenten in die Fahrzeugpapiere eintragen zu lassen!
Ich empfehle bei der Auswahl der Komponenten immer auf namhafte Hersteller zurückzugreifen, denn diese haben jahrelange Erfahrung und man bekommt ein gutes Produkt. Vom Kauf von billigen Fahrwerksteilen oder Nonameprodukten rate ich ab, da die Lebensdauer und das Fahrverhalten eher schlecht sind, denn wer billig kauft, kauft zweimal.
Schlagworte: Fahrwerk, Tieferlegung, Tuning